Schule für Gesang
    Petra Schulze
    

bildzaehler

Leseprobe aus "Ich Papageno"


aus dem ersten Kapitel:

SAMSTAG, 7. AUGUST 2010, 20.15 UHR Der Gong war längst verstummt. Petra hatte dem Publikum einige Erläuterungen zu Mozarts Zauberflöte gegeben, nun erlosch langsam das Saallicht. Unter dem Summen des Elektromotors glitt der Vorhang zur Seite. Allmählich ebbte das Raunen im Saal ab und eine erwartungsvolle Stille machte sich breit.

Wir hatten es geschafft. Wir hatten die Zauberflöte bis zur Aufführungsreife gebracht, und jetzt war es soweit, es ging los. Zwei Meter vor mir stand Tamino in der Gasse und wartete auf das Einsetzen der Musik, gegenüber harrten die Drei Damen ihres Einsatzes. Die Ouvertüre begann. Bald darauf stürzte Tamino aus der Gasse auf die Bühne und begann zu singen.

Ich dachte an Petras Satz, den sie mir vor wenigen Augenblicken mit auf den Weg gegeben hatte: "Singe!!! Halte es dir vor Augen, du singst diese Rolle nur einmal in deinem Leben." Dabei hatte sie mir beschwörend in die Augen geschaut. Der Satz half mir jetzt, meine wackelnden Knie zu beruhigen. Sie hatte Recht. Die komplette Zauberflöte würde ich nie wieder öffentlich singen.

Tamino lag inzwischen in Ohmacht, die Drei Damen hatten das Ungeheuer besiegt und waren wieder gegenüber in der Gasse entschwunden, das Musikthema wechselte. Und dann stand ich im Scheinwerferlicht, in der rechten Hand auf einer kleinen Holzstange einen hölzernen Papagei, und sang:
"Der Vogelfänger bin ja." Die Knie hatten nach ein paar Schritten aufgehört zu wackeln, und ich sang die Partie meines Lebens. Hätte mir das jemand vor einem Jahr prophezeit, hätte ich ihn für verrückt erklärt.

2. Leseprobe

Noch vor Weihnachten begann mein persönliches Papageno-Training. Wenn ich als Papageno eine Woche Opernproben und eine Aufführung durchstehen wolle, ginge das mit meiner Naturstimme allein nicht. Ich müsste die richtige sängerische Körperhaltung erlernen, sonst würde ich nach drei Tagen nur noch krächzen, und alles wäre vorbei, sagte Petra.

Mit einer merkwürdigen Mischung aus Bewunderung und Nachsicht bekam ich zum wiederholten Male mitgeteilt, dass ich zwar ein Stimmbesitzer wäre, aber ja nichts daraus machen würde. Das ginge so nicht weiter. An einem einzelnen Tag könnte jeder gut singen, sagte sie, wie aber, wenn ich an dem Tag schlecht disponiert wäre? Da müsste Grund rein. Wir begannen noch im Dezember mit Haltungsübungen. Darunter braucht man sich ...